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Clarenbach Aktuell

Ehemalige CBWK-Einrichtungsleiterin erhält Preis

19. Mai 2020

Am 6. März 2020 wurde Frauke Mahr im Historischen Rathaus in Köln feierlich mit dem Else-Falk-Preis ausgezeichnet, für ihr langjähriges, außergewöhnliches Wirken für die Gleichstellung von Mädchen und Frauen (Foto: Frauke Mahr mit Oberbürgermeisterin Henriette Reker – © Pascal Nordmann).

Hocherfreut nahmen das auch viele Clarenbacher zur Kenntnis, die Frauke Mahr noch als Einrichtungsleiterin der Häuser Stephanus und Paulus kennen und als erste Leiterin der Abteilung „Aktivierung und Betreuung“, der heutigen Sozialen Betreuung. Von 1977 bis 1990 war sie im Clarenbachwerk tätig. So erinnert sie sich an diese Zeit: „Ich habe in den Jahren viel gelernt – über Strukturen, über Entwicklungen und Veränderungen und über Menschen. Es gibt viele Bewohnerinnen und Bewohner, an die ich mich heute noch sehr gut und oft auch sehr gerne erinnere. Ich habe manche alten Menschen bewundert und manche MitarbeiterInnen in der Pflege ebenso! Die Arbeit mit all den unterschiedlichen alten oder auch kranken Menschen war eine Herausforderung, hat aber auch viel Freude gemacht.”

 

Foto: Frauke Mahr (re) war von 1977 bis 1990 im Clarenbachwerk tätig.

 

Stolz erinnert sie sich an die erste Kunstausstellung des Malers Heribert Ottersbach im Alten-, Kranken- und Pflegeheim, dem heutigen Heinrich Püschel Haus, und an das erste Wahllokal auf dem Müngersdorfer Gelände. „Auch den Martinszug haben wir damals erstmalig dorthin gelockt. Nebenbei: Auch Altenarbeit war in großen Teilen ‚Frauenarbeit‘ – sei es, dass die Belegung mehrheitlich aus Frauen bestand, mit all den Kriegs- und Nachkriegsschicksalen von Frauen, oder dass sehr viele Pflegekräfte weiblichen Geschlechts waren. Hier habe ich gut in Erinnerung, wie unterschiedlich die berufliche Selbsteinschätzung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oft war. Selbst beste Mitarbeiterinnen trauten sich oft eine Leitungsfunktion nicht zu – im Gegensatz zu nicht so geeigneten oder qualifizierten Kollegen.” Hier deutet Frauke Mahr bereits an, dass Strukturverbesserungen für Mädchen und Frauen ihr eine Herzensangelegenheit war und ist – wofür sie jetzt geehrt wurde.

Für eine geschlechtergerechte Gesellschaft machen sich Frauen seit Beginn des 19. Jahrhunderts stark, und sie haben großartige Erfolge erwirkt. Ohne sie gäbe es beispielsweise kein Frauenwahlrecht, das Wort „Frauenquote“ müsste noch geboren werden, häusliche Gewalt hätte keinen Einzug ins Strafgesetzbuch erhalten. Und dennoch ist der Weg noch lange nicht zu Ende: Immer noch bestehen gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Ungleichheiten. Als viertgrößte Stadt Deutschlands ist es daher angemessen, in Köln einen Frauenpreis – benannt nach der Frauenrechtlerin Else Falk – auszuloben, mit dem das außergewöhnliche Engagement von Frauen für Geschlechtergerechtigkeit gewürdigt wird.

Frauke Mahr, 1953 geboren, erwähnt, dass sie sich schon während ihres Studiums der autonomen feministischen Frauenbewegung anschloss, „alldieweil mir Benachteiligungen durch Geschlechterstereotype früh bewusst geworden waren. Was Mädchen nicht dürfen und Jungen doch dürfen, wie Mädchen sein sollen und Jungen nicht sein müssen (aber auch sollen!) – das waren ja sehr frühe Erfahrungen und nicht irgendein theoretischer, abstrakter Kram. An Mädchen mit Abenteuerlust war damals immer gleich ‚ein Junge verloren gegangen‘.“ Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat die Frage, wofür Frauke Mahr den Else-Falk-Preis bekommen hat, launig gesagt: „Weil einfach jeder in Köln Frauke Mahr kennt!“ Dazu merkte Frauke Mahr selbst an, das sei witzig und charmant, aber nicht wahr.

Deshalb sei hier in Ausschnitten das umfangreiche Engagement von Frau Mahr dargestellt: Dass Ende 1976 in Köln das erste Frauenhaus in der Bundesrepublik eröffnet wurde, ging auf den „zähen Kampf“ des Vereins „Frauen helfen Frauen“ zurück, dem Frauke Mahr bereits seit ihrem Studium angehörte. Ein Hauptgrund für die Preisverleihung war die langjährige, verantwortliche Arbeit in der Initiative „Lobby für Mädchen“, die sich dem Sichtbarmachen der Lebenslagen von Mädchen und jungen Frauen verschrieben hat: „Die Jahrzehnte währende Tätigkeit im breiten Feld der Mädchenarbeit haben mir deutlich gemacht, dass gezielte Mädchenpolitik Voraussetzung für gelingende Mädchenpädagogik in jedem Bereich ist, aber auch Voraussetzung für erfolgreiche Frauen- und Gleichstellungspolitik. Ohne Mädchenpolitik, das heißt, die Umsetzung der gesetzlich verbrieften Gleichberechtigung und Abbau benachteiligender Strukturen, fängt jede Generation Frauenpolitik wieder von vorne an.“

Daneben hat sich Frauke Mahr an vielen Mahnwachen gegen Gewalt und sexualisierte Gewalt beteiligt, hat einerseits humorvolle Aktionen gegen sexistische Werbung gestartet und andererseits komplett humorfrei „klare Kante“ gegen die Verharmlosung von Bordellwirtschaft und Prostitution gezeigt. Unendlich viele Leserinnenbriefe und zahlreiche Reden zeigen ihr unermüdliches Engagement für die Mädchenarbeit und Mädchenpolitik. Insofern ist die zitierte Bemerkung von OB Reker nur ein Teil der Wahrheit. Wir im Clarenbachwerk schließen uns den Gratulationen herzlich an!