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Hauszeitschrift

Mediennutzung als Seniorin

11. November 2024

Wie wichtig „lebenslanges Lernen“ ist, wird häufig beschworen – wie das praktisch aussehen kann, zeigt eine Bewohnerin des Paul Schneider Hauses. Sie wagte sich auch im fortgeschrittenen Alter an etwas Neues: Digitale Hilfsmittel und Medien – Tablet und Smartphone, Internet und Social Media.

Der erste Impuls ging von ihren Enkeln aus – als Hildegard Bremer im Krankenhaus lag, kam ihre älteste Enkelin mit einem Tablet vorbei: „So Oma, jetzt leg mal los!“ Und Hildegard Bremer ließ sich nicht lange bitten: „Das mit dem Mailschreiben ging relativ schnell. Dann bekam ich Bilder per Mail geschickt. Das war dann sehr interessant, wenn meine Familie mir aus dem Urlaub Fotos zuschickte, von einer Radtour nach Italien zum Beispiel, oder auch von Weihnachten.“

Ein neues, internetfähiges Handy bekam sie dann im Frühjahr, da das alte nicht mehr funktionsfähig war. „Meine Schwiegertochter hat mir ein Smartphone gekauft. Damit kann ich jetzt WhatsApp schreiben, natürlich telefonieren und fotografieren, wenn ich unterwegs ein Bild festhalten will.“

Die Kontaktmöglichkeiten habe das erhöht, erzählt sie: „Telegram (ein Messengerdienst wie WhatsApp oder Signal) habe ich auch, aber nur für einige aus meinem Verwandtenkreis. Wir tauschen uns auch manchmal über Videogespräche aus – da bin ich aber noch nicht so bewandert.“

Mittlerweile nutzt sie auch das Internet, wo man „alles erfragen, alles sehen“ könne: „Wenn mir meine Tochter sagt: Das musst du dir unbedingt ansehen!‘, dann kann ich die Videos in den Mediatheken von ARD, ZDF oder arte schauen“, erzählt Hildegard Bremer begeistert von den neuen Möglichkeiten. „Und als meine jüngste Tochter auf einer griechischen Insel war, die ich nicht kannte – da habe ich natürlich so lange im Internet gesucht, bis ich etwas darüber gefunden habe.“ 

Die Technik ist zwar neu, aber was Hildegard Bremer erreichen möchte, weiß sie ganz genau: „Für mich ist das Internet wie ein Lexikon: man kann viel nachsehen. Wenn mich zum Beispiel ein Künstler oder Musiker interessiert, und ich möchte etwas über sein Leben wissen – dann gehe ich auf Google.“ 

Selbst ihre analogen Hobbies bereichern die digitalen Medien: „Ich interessiere mich sehr fürs Malen – und in der letzten Zeit habe ich herausgefunden, wie man die Pouring-Technik einsetzt. Ich schaue, wie die das machen, das wird dann erklärt, und man kann den Vorgang genau verfolgen.“ Auf diese Weise habe sie auch festgestellt, dass das dafür benötigte Medium sehr teuer ist – und eine Lösung gefunden: „Irgendjemand hat festgestellt, dass man das auch mit Vinylkleber machen kann, der viel billiger ist. Ich habe mir dann selbst welchen gekauft – und nächste Woche fange ich damit an zu malen!“ strahlt sie. 

Ihre neueste Errungenschaft: Die Instagram-App – und damit Zugang zu Sozialen Medien. „Vor kurzem habe ich auch das Instagram von meinen Enkeln installiert bekommen – das interessierte mich eigentlich nur, weil das Clarenbachwerk dort zu Hause ist und ich immer feststellen kann, was bei uns los ist.“

Für andere Seniorinnen und Senioren hat Hildegard Bremer einen Rat zu den digitalen Medien: „Ich bin 92 – ich habe es gut gelernt und kann es jedem empfehlen, der einigermaßen interessiert ist. Mit einigen Unterweisungen kann man das ganz schnell lernen – auch im Alter!“ Berührungsängste müsse man nicht haben, beruhigt sie: „Man muss nur ein bisschen Begeisterung mitbringen – dann ist das eigentlich eine sehr schöne Sache!“