Aus der Pflege
Forschungsprojekt Delir Teil 2
07. Januar 2026
Nach der Grundlagenschulung (Teil 1) folgte die Schulung mit den Instrumenten 4AT und 4-DSD zur Erkennung von Delir in Altenpflegeeinrichtungen (Teil 2).
Im Rahmen des Forschungsprojekts mit der Universität Oldenburg haben unsere Pflegefachpersonen verschiedene Instrumente zur Einschätzung von Delir und kognitiver Einschränkung bei Menschen mit Demenz kennengelernt.
Zunächst haben wir uns mit der Dementia Screening Scale (DSS) beschäftigt, um den Schweregrad der Demenz zu erfassen, da Delir insbesondere bei Menschen mit Demenz identifiziert werden soll.
Ziel ist es, bei den verschiedenen Instrumenten deren Verständlichkeit, Praktikabilität und die Übereinstimmung zwischen den beurteilenden Pflegefachpersonen (Interrater-Reliabilität) in Altenpflegeeinrichtungen zu evaluieren.
Warum ist das wichtig?
Pflegefachpersonen stehen bei Pflegeeinrichtungen im Zentrum der Versorgung, da ÄrztInnen nicht dauerhaft vor Ort sind. Sie übernehmen daher eine Schlüsselrolle bei der Erkennung von Delir.
Die psychometrischen Eigenschaften von Delir-Instrumenten bei hochrisikogefährdeten PflegeheimbewohnerInnen mit Demenz wurden bisher nur selten untersucht, wenn diese Instrumente von Pflegekräften angewendet werden. Der Mangel an standardisierten Verfahren zur Delir-Erkennung in Pflegeheimen gilt wissenschaftlich als belegt.
Instrumente
Für das tägliche Screening verwenden wir das SQiD-Tool mit der Frage „Ist der Bewohner verwirrter als sonst?“ Wird sie mit Ja beantwortet, kommen 4AT bzw. 4-DSD zum Einsatz (beide Instrumente werden nicht täglich eingesetzt, sondern nur bei konkretem Delir-Verdacht):
4AT ist ein kurzes (< 2 Min.), einfach anzuwendendes Instrument zur Delir-Erkennung, das kein spezielles Training erfordert und auch bei Personen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen eingesetzt werden kann. Es umfasst vier Items: Wachheit, Orientierung, Aufmerksamkeit sowie akute oder fluktuierende Symptome – ab 4 von 12 Punkten besteht Delir-Verdacht.
4-DSD ermöglicht eine kurze (< 3 Min.), zuverlässige Beurteilung eines möglichen Delirs bei Personen mit mittelgradiger bis schwerer Demenz. Es nutzt aufgrund eingeschränkter Kommunikationsfähigkeit bildgestützte Verfahren und umfasst vier Items: Wachheit, veränderte Hirnfunktion, Aufmerksamkeit sowie akute Veränderung oder Fluktuation des mentalen Zustands. Ab 4 von 12 Punkten spricht das Ergebnis für ein Delir.
Die Anwendung der Instrumente und die Einschätzung durch die Pflegefachperson erfolgt in einer ruhigen, vertrauensvollen Umgebung, ohne Druck oder reines „Abfragen“. Wir geben ausreichend Zeit und achten auf verbale und nonverbale Signale wie Unruhe, Rückzug oder Ärger. Falls nötig, wird die Einschätzung abgebrochen –das Wohlbefinden der Bewohnerinnen und Bewohner hat immer Vorrang.
Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Frau Seiters und Herrn Molitor von der Universität Oldenburg und darauf, gemeinsam die Versorgung von Menschen mit Demenz weiter zu verbessern!
