Förderschüler machen Senioren mobil

Von dem Einkaufsprojekt der Förderschule Belvederestraße mit dem Paul Schneider/Anne Frank Haus in Braunsfeld profitieren beide Seiten

 

Das Thema Inklusion ist in aller Munde – wie gelingt gesellschaftliche Teilhabe für jeden Menschen, unabhängig von Behinderung, Alter oder Krankheit? Dass sich zwei Gruppen gegenseitig zu mehr Teilhabe verhelfen, ist selten, aber möglich. Das beweist ein Projekt der Förderschule Belvederestraße mit dem Paul Schneider/Anne Frank Haus in Braunsfeld.

 

Der Anstoß für diese Kooperation ergab sich über den 17-jährigen Marvin Hassler. Der Schüler der Förderschule Belvederestraße kümmerte sich schon seit Jahren um seine kranke Großmutter, wenn seine Mutter arbeiten ging. Als in der neunten Klasse ein Praktikum anstand, lag es für den Jugendlichen nahe, sich im Altenheim zu bewerben. Im Paul Schneider/Anne Frank Haus lernte er unter anderem den Einkaufsdienst für kleine, persönliche Dinge kennen, den die Soziale Betreuung der Einrichtung anbot. „Die alten Leute können das ja oft nicht mehr machen – und sie sind froh, wenn sie ein bisschen Hilfe bekommen,“ erklärt der Schüler.

 

Als sein Lehrer Hans-Jürgen Keybets die Einrichtung besuchte, schlug die Leiterin der Sozialen Betreuung, Vian Dizayee, eine Zusammenarbeit vor. „Für uns als Förderschule ist Inklusion natürlich ein großes Thema. Den Wunsch danach haben aber auch pflegebedürftige Menschen. Daher waren wir von der Idee sofort begeistert, diesen Service auch im Rahmen unserer Mobilitäts-AG anzubieten“, erzählt Keybets. Seit ein paar Monaten kaufen Marvin und seine Mitschüler nun einmal in der Woche bestimmte Lebensmittel oder Produkte für die Senioren ein, die diese selbst nicht mehr besorgen können – die Lieblingsschokolade, eine Zeitschrift, eine besondere Sorte Tee. Gleichzeitig trainieren die Jugendlichen dabei grundlegende Fähigkeiten für ihren Alltag und einen späteren Beruf. „Für unsere Schüler ist es eine großartige Möglichkeit, Aufträge praktisch umzusetzen: Einfühlsam Wünsche abfragen, Einkaufslisten schreiben und lesen, den Einkauf tätigen, hinterher abrechnen –  einfach Verantwortung übernehmen“, so Keybets.

 

Und Dizayee ergänzt: „Für beide Seiten ging es auch darum, Vertrauen aufzubauen – für unsere Bewohner waren es ja erstmal Fremde, für die Schüler war es eine Herausforderung, auf die alten Menschen zuzugehen.“ Inzwischen hätten sich aber beide Seiten aneinander gewöhnt und wollten sich nicht mehr missen: „Ich sehe, wie selbstständig die Schüler geworden sind, wie umsichtig, nichts zu vertauschen und exakt abzurechnen“, schwärmt Dizayee. „Und unsere Bewohner freuen sich auf den Besuch der jungen Leute mittlerweile als wöchentliches Ritual.“

 

Zum Abschluss winkt als Dankeschön manchmal sogar ein Stück Schokolade – direkt aus der Einkaufstüte.

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