Urlaub in den 50er- und 60er-Jahren

CBWK Urlaubsreisen 01

„Komm‘ ein bisschen mit nach Italien“: So haben wir in den 50er- und 60er-Jahren Urlaub gemacht. Deutschland in den 1950er-Jahren – mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wuchs auch das Fernweh. Doch so groß die Urlaubsträume auch waren, das Budget war meist noch klein. Wie sah er aus, der erste Urlaub nach all den entbehrungsreichen Kriegs- und Nachkriegsjahren? Darüber haben sich die Bewohner der 5. Etage des Heinrich Püschel Hauses unterhalten.

 

„Mehr als der sonntägliche Familienausflug ins Grüne war bei uns erstmal nicht drin,“ meint Frau Arrillaga. An gemeinsames Verreisen war für die achtköpfige Familie nicht zu denken. „Aber vermisst haben wir das als Kinder nicht. Später waren wir dann in den Ferien oft bei Verwandten in Norddeutschland, auf einem Bauernhof. Kühe, Schweine, Hühner – wir haben in der Scheune Verstecken gespielt und die Eier fürs Frühstück selbst eingesammelt.“ Oh ja, an der Nordsee war auch Frau Schieffer oft. Auf dem Campingplatz direkt am Meer. An das Gefühl, wie der grauschwarze Schlick beim Wattwandern zwischen den Zehen hindurchquietscht, kann sie sich noch gut erinnern. Allerdings auch an total verregnete Urlaubstage, an denen das sturzbachartige Regenwasser sich einen Weg mitten durch das Zelt bahnte: „Wenn em Zelt de Möcke un de Hummele dich verjöcke un do kanns dann nit erusem Rään…“

 

„Um Himmels Willen, bloß kein Camping-Urlaub!“ Frau Eikmann hat da wohl ähnliche Erfahrungen gemacht wie der gute alte Karl Berbuer in seinem Camping-Leed. Dann lieber komfortabel mit dem Reisebus. Von ihrem ersten richtigen Arbeitslohn hat sie sich eine Busreise nach Ruhpolding in Bayern gegönnt und dort die malerische Ruhe in den Bergen genossen. Touropa, Hummel oder Scharnow-Reisen waren damals die ersten großen Reiseveranstalter, die nicht nur Ziele innerhalb Deutschlands, sondern auch in ganz Europa anboten, später auch weltweit bis nach Übersee.

 

CBWK Urlaubsreisen 02Bella Italia: Sole e mare, Chianti, Spaghetti, Amore. Da bekommt Herr Schröder glänzende Augen. Er ist Italien-Fan. So ein schönes, gepflegtes Hotel an der Strandpromenade, tagsüber einen Liegestuhl und ein Kofferradio im Sand und abends ein leckeres Menü im Hotel, traumhaft! Nur, dass seine hübsche Ehefrau ständig von heißblütigen Italienern angeflirtetwurde, das fand er dann doch nicht ganz so toll. Aber wer konnte schon dem Charme der italienischen Männer auf ihren Vespa-Rollern widerstehen? „Oh Tina, oh Marina, wenn wir uns einmal wiedersehen. Oh Tina, oh Marina, dann wird es wieder schön.“ Dieser Urlaubs-Ohrwurm von Conny Froboess lief 1962 in jeder Strandbar-Jukebox rauf und runter.

 

„Ach, Italien war für uns nicht weit genug entfernt!“ trumpft Frau Arrillaga auf. „Mein Mann und ich haben uns einen langersehnten Traum erfüllt und sind nach San Francisco geflogen!“ Zu den Blumenkindern, Love & Peace überall, mit der Gitarre in der Hand, in den Parks rund ums Lagerfeuer. Genauso wie man es von Scott McKenzie aus dem Radio kennt: „If you`re going to San Francisco, be sure to wear some flowers in your hair.” Einfach unvergesslich!

 

Urlaub ist und war schon immer die schönste Zeit des Jahres, da sind wir uns einig. Vielleicht wusste man dies damals in den 50er und 60er Jahren sogar noch etwas mehr zu schätzen als heute. Schließlich musste man als Arbeitnehmer früher mit einem Jahresurlaub von gerade mal neun oder 14 Tagen auskommen. „Leider ist die Zeit des großen Reisens für mich vorbei“, meint Frau Alstede-Faulhaber etwas wehmütig. „Aber ich habe meine Postkartensammlung, meine Fotoalben und vor allem ganz viele wunderbare Erinnerungen. Die kann mir keiner nehmen! Und manchmal schalte ich dann einfach mein persönliches Kopfkino an und träume mich davon.“

 

Ines Odendahl, Altentherapeutin im Heinrich Püschel Haus

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