Evakuierung Haus Deckstein wegen Bombenfund

Am 20. November 2018 begaben sich alle Bewohnerinnen und Bewohner des Haus Deckstein auf einen ganz besonderen Ausflug in die nähere Nachbarschaft. Ja, Sie haben richtig gelesen, alle Bewohnerinnen und Bewohner beteiligten sich an diesem „Ausflug“ – allerdings alles andere als freiwillig. In den späten Nachmittagsstunden des Tages waren nämlich unweit des Haus Deckstein, mitten im Grüngürtel zwei sogenannte Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg gefunden worden. Der Evakuierungsradius erfasste nun genau das Haus Deckstein und die Straße An der Decksteiner Mühle. Ansonsten waren nur wenige, weitere Anwohner betroffen. Aber dass die Evakuierung eines Altenheims eine besondere Herausforderung ist und nicht zu mit der Evakuierung von Anwohnern in Privathäusern zu vergleichen ist, versteht sich wohl von selbst.
Evakuierung 1Ich war am Nachmittag des Tages bei einer Weiterbildung im nahegelegenen St. Elisabeth Krankenhaus und überquerte so gegen 17 Uhr die Gleueler Straße, wobei ich mich über das große Aufgebot an Blaulicht die Straße aufwärts wunderte. Zur gleichen Zeit erhielt ich eine Meldung der neuen Warn-App NINA vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz, die vor einem Bombenfund im Grüngürtel Lindenthal warnte. Endgültig neugierig geworden steuerte ich mein Rad die Gleueler Straße stadtauswärts und erreicht das Haus Deckstein. Im Foyer standen schon zirka 40 bis 50 Bewohnerinnen und Bewohner und noch einmal gut zehn Mitarbeitende, alle bereits gestiefelt und gespornt. Die Mitarbeitenden packten derweil noch geschmierte Brote und anderes zum Abendessen ein, nicht alle hatten das noch in der gewohnten Form zu sich nehmen können.
Trotz der mehr als lästigen Umstände war die Stimmung relativ gut. Es wirkte tatsächlich ein bisschen wie ein Freizeitausflug eines Altenheims, nur der Bus war offensichtlich zu spät und noch nicht eingetroffen. Die Mitarbeitenden des Frühdienstes, die noch nicht durch die Tür waren, waren geblieben, Karin und Michael Lingen, als Anwohner auch betroffen, beteiligten sich ebenfalls an der Evakuierung. Nach Rücksprache mit Heinz Holbein machte ich mich auf den Weg in die Grundschule an der Mommsenstraße, die als Ausweichquartier ausgewählt war. Dort warteten bereits einige Bewohnerinnen und Bewohner und Küchenleiterin Frau Schiliro. Zusammen mit den überaus zahlreichen und sehr hilfreichen, überwiegend ehrenamtlichen Helfern des Roten Kreuzes und der Malteser versuchten wir die Turnhalle etwas wohnlich mit Tischen und Stühlen auszustatten. Und schon bald wurde das Treiben in der Halle immer munterer, der Platz knapper und innerhalb der nächsten zwei Stunden trudelten auch die letzten in Deckstein verbliebenen Bewohnerinnen und Bewohner in der Grundschule Mommsenstraße ein.
Und es entstand eine angenehme Atmosphäre, viele Gespräche drehten sich naturgemäß um die Evakuierung, auch Erinnerungen an den Weltkrieg wurden wach. Dass über 70 Jahre später in Köln immer noch regelmäßig Bomben aus dem zweiten Weltkrieg gefunden werden, zeigt, wie „unvergangen“ der Krieg nicht nur in der Erinnerung der Kölnerinnen und Kölner ist, die den Krieg noch erlebt haben. Dass die Erinnerungen bei solchen Gelegenheiten wieder hoch kommen, liegt in der Natur solcher prägenden Ereignisse. Wie gesagt dauerte es eine ganze Zeit, bis alle Bewohnerinnen und Bewohner in Sülz eintrudelten, das lag zum Teil auch an den Autos, die sich nur bedingt für den Transport von Rollstühlen eigneten. Das aber machte das Rote Kreuz mit vermehrtem Einsatz wett.
Hinzu kam, dass alle bei der Abfahrt wie der Ankunft registriert wurden und nach Namen, Geburtstag etc. gefragt wurden. „Kommen Sie auch aus dem Altenheim in Deckstein“, wurde eine ältere Dame gefragt. „Nein“, erwidert sie kurz, „Ich bin aus dem Kinderheim daneben!“ Offensichtlich half der Humor, die doch langen Stunden, bis alle wieder zurück in Deckstein waren, zu überbrücken. Auch Klagen, dass man keine Zeit hatte, sich ein bisschen zurecht zu machen, wurden laut, „dabei gehe ich sonst nicht einmal ungeschminkt zum Müllcontainer!“ Zwischendurch wurde auch daran erinnert, dass im vergangenen Jahr die Riehler Heimstätten (die inzwischen Sozialbetriebe der Stadt Köln heißen, was sich immer noch niemand merken kann oder will) dreimal, ja tatsächlich dreimal wegen Bombenfunden evakuiert werden mussten. Und von diesen Evakuierungen waren jeweils mehr als 400 Menschen betroffen. Dagegen hatten die Clarenbacher ja fast noch Glück gehabt.
Kurz nach 21 Uhr kam die Meldung, dass beide Bomben entschärft waren und direkt im Anschluss wurde mit dem Rücktransport begonnen. Der verlief dann etwas flotter, sodass alle Bewohnerinnen und Bewohner bis kurz vor Mitternacht zurück in Deckstein waren. Für die Mitarbeitenden des Haus Deckstein war das noch einmal eine aufwändige Aktion, mit dem Nachtdienst dafür zu sorgen, dass alle, die wollten, auch umgehend in ihr Bett kamen. Der Ausflug zeigte aber auch, dass der nette Umgangston, der zwischen den Bewohnern und Mitarbeitern in Deckstein usus ist, sich gerade auch in solch schwierigen Situationen bewährt und aus einer Evakuierung zumindest zwischenzeitlich einen fröhlichen Ausflug machen kann.

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