40 HPH Die nach Pfarrer Heinrich Püschel benannte Einrichtung des Clarenbachwerks feierte am 3.11.2016 ihr 40-jähriges Bestehen und erinnerte an ihre vielfältige Geschichte: Vom dringend benötigten Wohnraum in der Nachkriegszeit bis zum Kompetenzzentrum für Demenzpflege.

 

Bewohnerinnen und Bewohner, Mitarbeitende und Angehörige aus dem Heinrich Püschel Haus kamen am 3. November zusammen, um das 40-jährige Bestehen der Einrichtung zu feiern. Bei Kaffee, Jubiläumstorte und Musikdarbietungen von Frau Eigendorf wurde lange zusammen gesessen und gesungen.

 

Einrichtungsleiter Paul Wirtz erzählte lebhaft Anekdoten aus vielen Jahren im Heinrich Püschel Haus. Geschäftsführerin Doris Röhlich-Spitzer erinnerte an die sehr lebendige, vielfältige Geschichte der Einrichtung, die einen Bogen schlägt von der Nachkriegszeit bis heute:

 

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs war entscheidend, so schnell wie möglich Not und Zerstörung zu lindern. Pfarrer Heinrich Püschel wollte möglichst vielen Personen rasch menschenwürdiges Wohnen und Leben sichern. Sein Engagement begründete er folgendermaßen: „Soziale Arbeit ist nur sinnvoll, wenn sie auf die unmittelbaren Gegebenheiten der eigenen Zeit bezogen ist.“

 

Wer war dieser Mann? Heinrich Püschel wurde am 1. Oktober 1911 in Bonn geboren und wuchs in Köln auf. Nach seinem Theologiestudium arbeitete er ab 1940 zunächst als Gefängnisseelsorger, nach dem Krieg wurde er Pfarrer der Clarenbach-Kirchengemeinde. Neben dieser Arbeit widmete er sich über den Clarenbach-Kirchbauverein, aus dem später das Clarenbachwerk hervorgehen sollte, dem Bau von dringend benötigtem Wohnraum. Heinrich Püschel äußerte sich dazu wie folgt: „Es ging uns um alte und junge Menschen, die in Trümmern und Kellerlöchern vegetierten."

 

1949 folgten ein Altenheim und eine Kindertagesstätte. Nachdem in den frühen 60er-Jahren die akute Wohnungsnot der Nachkriegszeit weitgehend gelindert war, wandte Heinrich Püschel sein ausgeprägtes soziales Engagement der Altenarbeit zu: "Die wirklich Bedürftigen sind die alten Menschen", stellte er damals fest. Alle bestehenden Häuser des Clarenbachwerks wurden in Alten-Pflegeeinrichtungen umgewandelt, weitere fünf Häuser in Braunsfeld und Müngersdorf gebaut.

 

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1976 entstand schließlich das spätere Heinrich Püschel Haus als „Altenkrankenheim“ mit verstärktem therapeutischen Ansatz. Genau 10 Jahre danach wurde es nach dem 1981 verstorbenen Heinrich Püschel benannt. So fand dessen verdienstvolles, beispielhaftes und mutiges Wirken die ihm zustehende Anerkennung.

 

Am 3. November 2016 feiert das Haus nun sein 40-jähriges Jubiläum. Während seines Bestehens reagierte es auf eine weitere „Gegebenheit der eigenen Zeit“: Seit 2005 widmet es sich schwerpunktmäßig der Demenzpflege. Einrichtungsleiter Paul Wirtz erzählt: „Wir waren eine der ersten Einrichtungen in Köln mit diesem Angebot. Viele Angehörige, die zu uns kamen, waren am Ende ihrer Kräfte. Sie wussten nicht mehr, wie sie den nächsten Tag überstehen, ihren Mann, ihre Mutter versorgen sollten. Denn auch ein Demenzkranker muss im normalen Familienalltag irgendwie „funktionieren“. Mit der Demenzpflege nehmen wir den Druck von den Angehörigen, aber auch von den Betroffenen.“

 

Die größte Pflegeeinrichtung des Clarenbachwerks bietet mittlerweile 175 Plätze, darunter drei Pflege-Etagen für Demenzkranke. Die Ausstattung orientiert sich an aktuellen Erkenntnissen der Demenzforschung. So bieten spezielle Beleuchtung, Farbgebung und Fotos an den Zimmertüren Orientierung, Rundgänge mit Handläufen und Ruheinseln kommen dem Bewegungsdrang mancher Demenzerkrankter entgegen. Mobiliar und Einrichtungsgegenstände aus früheren Zeiten – etwa alte Straßenschilder, ein Grammophon, ein Waschbrett oder eine alte Schreibmaschine – sorgen für Wiedererkennungswert.

 

„Demenzpflege bedeutet hauptsächlich Geduld – wir richten uns nach den Bedürfnissen des Bewohners, versuchen ihn auf der Gefühlsebene zu erreichen“, erklärt Paul Wirtz. Speziell ausgebildete Pflegekräfte, Altentherapeuten und Alltagsbetreuer sorgen für ein möglichst stressfreies, aber von Gemeinschaft geprägtes Leben. Mitarbeiter mit sozial-, musik- oder kunsttherapeutischer Ausbildung bieten gemeinsam mit einem Team engagierter Ehrenamtler täglich viele Aktivitäten wie Kochgruppen, Singkreise, Spielrunden, aber auch Einzelbetreuungen mit Spaziergängen oder Biografiearbeit an.

 

All dies wäre nicht möglich, ohne überaus engagierte und zugewandte Mitarbeitende, die die Zeichen der Zeit und die täglichen Herausforderungen in der Pflege, insbesondere in der Demenzpflege, erkennen und annehmen. Die sich mit viel Empathie auf die Bewohnerinnen und Bewohner einstellen.

 

40 HPH 3Zum Team gehören auch viele Ehrenamtliche, die das Heinrich Püschel Haus jeden Tag mit ihrer Kraft, ihren Ideen und ihrer Hingabe unterstützen. Daneben sind auch viele Angehörige heute selbstverständlicher Teil der Einrichtung und ergänzen die tägliche Arbeit. Zur Zukunftsausrichtung gehört nicht zuletzt auch das im Heinrich Püschel Haus angesiedelte Fachseminar für Altenpflege, das jährlich etwa 20 examinierte Altenpflegerinnen und Altenpfleger in diesen so wertvollen Beruf entlässt.

 

Demnächst werden wieder neue Herausforderungen für das Heinrich Püschel Haus anstehen: Das Gebäude wird saniert und modernisiert. Doch auch diesen "Gegebenheiten der Zeit" wird sich das Heinrich Püschel Haus sicher mit Erfolg stellen!