kultursensiblen Pflegeeinrichtung Haus Andreas

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in der kultursensiblen Pflegeeinrichtung Haus Andreas

Kultursen HA

Wie Integration in der stationären Altenpflege gelingt und im Clarenbachwerk gelebt wird, zeigt das Haus Andreas. In der Pflegeeinrichtung des Clarenbachwerks arbeiten Menschen aus vielen Nationen, selbst die Einrichtungs- und Pflegedienstleitung stammt aus dem Iran und Thailand. Auch rund ein Viertel der Bewohner hat einen nicht-deutschen Hintergrund. "Mit der kultursensiblen Pflege bauen wir Brücken zu den Bewohnern – über ihre Sprache, Gewohnheiten, ihre Geschichte", erklärt Pflegedienstleiterin Narumon Phokphoon.  

Nun stellt das Haus Andreas sein Konzept der kultursensiblen Pflege vor. Das, was über die Jahre organisch gewachsen ist und "einfach gelebt" wurde, all die Erfahrungen und Fortschritte sind nun festgeschrieben, damit das Konzept personenunabhängig funktioniert und weiterentwickelt werden kann. So wird es ab 2014 u. a. einen Kulturenbeauftragten geben und das Konzept in das Qualitätsmanagement der Pflegeeinrichtung übernommen.

Angefangen hatte alles vor sechs Jahren mit einigen Mitarbeitern aus verschiedenen Ländern und der Frage an Einrichtungsleiter Mohammad Pourmirzaie: ‚Was ist, wenn meine Eltern, die nicht deutsch sprechen, schwer krank sind – kann ich sie dann hier unterbringen?‘ Nach einigen persischen und einem russischen Neubewohner gab es immer mehr Anfragen, von Menschen aus Spanien, Italien, Indien. "Die Angehörigen brauchen viel Beratung und Unterstützung, z. B. was Anträge oder Behördengänge angeht", so Phokphoon. Ein Umzug in eine Pflegeeinrichtung bedeutet eine große Lebensumstellung für alle Beteiligten. Da hilft es, ein Gegenüber zu haben, das die Muttersprache spricht und mit den eigenen, lebenslangen Ritualen vertraut ist. Oder gewohntes Essen, Traditionen oder Einrichtungsgegenstände vorzufinden.

"Irgendwann dachten wir: Jetzt leben hier buntgemischte Menschen bei uns und die Küche ist immer noch deutsch!", erzählt Phokphoon. Natürlich gehört der gute deutsche Filterkaffee weiterhin zum Repertoire. Statt Teebeutel gibt es nun aber auch Tee aus dem Samowar. Für den Basmatireis wurde ein Reiskocher angeschafft. Neben Brötchen und Toastbrot wird auch Fladenbrot serviert. Es kommt ein Angebot hinzu, das alle ausprobieren können, aber natürlich nicht müssen.

Auch traditionelle Feste helfen, sich zu Hause zu fühlen: Deshalb wird nicht nur Ostern, Weihnachten und Silvester gefeiert, sondern auch Nouruz, das Frühlingsfest, das im Nahen Osten und auf dem Balkan am 21. März begangen wird. Individuelle Wünsche, Empfindlichkeiten oder Schamgrenzen werden auch in der Pflege berücksichtigt, je nach kultureller Herkunft oder persönlicher Erfahrung. So wird die morgendliche Pflege auf Wunsch mit einem Tupfer 4711 abgeschlossen oder erfolgt mit einem rauen Waschhandschuh wie im türkischen Hamam.

Die bunte Vielfalt der Bewohner hält auch ungewöhnliche Lebensgeschichten bereit: da war der indische Diplomat, der die ganze Welt gesehen hatte und fünf Sprachen beherrschte. Oder die persische Widerstandskämpferin, die sich mit ihren Landsleuten im Haus Andreas über alte Zeiten austauschte. Im Internet informierte sie sich über die aktuelle politische Lage und hielt Kontakt mit der Familie. Überhaupt leisten Medien einen wichtigen Beitrag: über Satellitenempfang können 130 Sender aus aller Welt empfangen werden. In Zukunft wird vielleicht Skype eine wichtige Rolle spielen.

Damit die Gemeinschaft weiterhin so gut funktioniert, hat sich das Haus Andreas jetzt feste Regeln gegeben. Etwa für den sensiblen Umgang mit der Sprache: Dienstsprache ist deutsch, und wenn ein Mitarbeiter mit einem Bewohner vor anderen in seiner Muttersprache spricht, muss das Umfeld kurz informiert werden, damit sich die einen unterstützt, die anderen nicht ausgeschlossen fühlen. Geplant sind mehrsprachige Dokumente, geschulte Vermittler für Konfliktsituationen und regelmäßige Fortbildungen zu interkulturellen Themen.

Immer ist das Konzept auf eine allgemeine Bereicherung ausgerichtet. "Wenn mich eine Bewohnerin fragt: ‚Warum machen Sie das denn, eine Themenwoche für nur zwei Bewohner aus diesem Land?‘, antworte ich: das ist nicht nur für die zwei, es ist für alle – wir wollen, dass Sie die anderen Kulturen kennenlernen!", so Narumon Phokphoon.

Fragen zur kultursensiblen Pflege beantwortet Herr Mohammad Pourmirzaie unter 0221-4985-297 oder Frau Narumon Phokphoon unter 0221-4985-455.

Video der Auftaktveranstaltung finden Sie hier: http://www.youtube.com/watch?v=E6X1QVZIhHc&feature=youtu.be