Was die Politik jetzt tun muss

CBWK Pflegepolitik

 

Während die Parteien noch damit beschäftigt sind, eine neue Regierung zu bilden, erinnert das Clarenbachwerk an den vor der Wahl so intensiv diskutierten Pflegenotstand. Was passieren muss, thematisieren wir in einem Schreiben an die Generalsekretäre aller Parteien:

 

 

An: Peter Tauber (CDU), Andreas Scheuer (CSU), Lars Klingbeil (SPD),

Michael Kellner (Grüne), Nicola Beer (FDP) und Harald Wolf (Linke):

 

Vor der Bundestagswahl wurden der Pflegenotstand und die Nöte der Pflegekräfte, der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen in Medien und Gesellschaft intensiv diskutiert. Die derzeitige Situation erfordert umgehendes und umfassendes Handeln, damit eine ausreichende und qualitativ annehmbare Versorgung in der Pflege sichergestellt werden kann.

 

Als große diakonische Träger von ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen für Senioren und Menschen mit Behinderung übermitteln wir Ihnen hiermit die vordringlichen pflegepolitischen Anliegen. Wir bitten Sie eindringlich, diese Punkte zu berücksichtigen.

 

Personalmangel

Ambulante Pflegedienste und stationäre Pflegeeinrichtungen haben wie auch Krankenhäuser größte Schwierigkeiten, ausreichend qualifizierte Pflegekräfte zu gewinnen, mittlerweile sogar selbst PflegehelferInnen. Dieser Personalmangel führt zu dauerhafter Arbeitsüberlastung der übrigen Mitarbeitenden. Sie werden häufiger krank, fallen dadurch aus, wodurch noch mehr Personallücken entstehen. Daher brauchen wir dringend Personalmindeststandards im Pflegebereich: einen verbindlichen Personalschlüssel, der die tatsächlich benötigte Zeit für die jeweiligen Pflegegrade berücksichtigt. Und wir brauchen mehr Personal, um eine hohe Pflegequalität und gute Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte zu sichern.

 

Aufwertung des Berufs

Pflegekräfte kümmern sich um die mitunter schwächsten, bedürftigsten Mitglieder unserer Gesellschaft und müssen tagtäglich mit Krankheit, Sterben und Tod umgehen. Sie leisten eine verantwortungsvolle, körperlich und psychisch belastende Arbeit. Die Wertschätzung und Würdigung der professionellen Pflege muss sich auch in einer besseren Vergütung zeigen. Nur so wird man langfristig die Attraktivität des Berufs erhöhen – und ausreichend Menschen dafür gewinnen können.

 

Ausbildung

Damit weiterhin qualifizierte Pflegekräfte zur Verfügung stehen, brauchen wir sofort eine qualitativ hochwertige und zahlenmäßig ausreichende Ausbildung, damit die entsprechenden AbsolventInnen wenigstens nach der dreijährigen Ausbildungszeit unmittelbar zur Verfügung stehen. Die Pflegeausbildung muss dafür bundesweit kostenfrei sein.

 

Hinsichtlich der einheitlichen Grundausbildung – sicher ein guter Ansatz, um den Pflegeberuf zu professionalisieren – besteht die Sorge, dass sich bei dem aktuell schlechten Image der Altenpflege eher wenig Auszubildende im dritten Jahr für einen Berufseinstieg in die Altenpflege entscheiden. Es muss sichergestellt werden, dass die spezialisierte Ausbildungsqualität erhalten bleibt und keine Ausbildungskapazitäten fehlen. 

 

Ausbildungsstätten/Praxisanleitung

Die Pflegeschulen/Fachseminare für Altenpflege müssen kostenneutral arbeiten können – bislang ist es ein Zuschussgeschäft für die Träger. Die Finanzierung der schulischen und betrieblichen Ausbildung muss dauerhaft und flächendeckend gesichert sein. 

 

Auch der praktische Teil der Ausbildung, eine intensive Praxisanleitung durch qualifizierte Fachkräfte, muss personell und finanziell abgesichert sein. Praxisanleiter, die Auszubildende in der Praxis begleiten und betreuen, müssen dafür Kapazitäten bekommen, die sich auch im Pflegesatz und im Stellenschlüssel niederschlagen. 

 

Versorgungsstrukturen

Der Fokus bei der Versorgung und Förderung liegt meist auf ambulanten Wohn- und Pflegeformen oder teilstationären Angeboten. Wir können jedoch wir nicht auf stationäre Pflegeeinrichtungen verzichten! Natürlich hat kein Mensch das Lebensziel, in Abhängigkeit von der Hilfe anderer Menschen und nicht in der eigenen Wohnung zu leben. Bestimmte Krankheitsbilder oder eine starke Pflegebedürftigkeit erfordern aber eine professionelle Pflege, die familiär oder ambulant nicht zu leisten ist. Nur die Verzahnung von ambulant, teilstationär und stationär führt zum nötigen Hilfsangebot in einer älter werdenden Gesellschaft. 

 

Palliativ-Versorgung

Auch aufgrund des Grundsatzes "Ambulant vor stationär" kommen die Menschen in immer höherem Alter und multimorbider in Pflege, ihre Verweildauer ist kürzer. Dadurch sterben immer mehr Menschen immer schneller in den Pflegeeinrichtungen. Die Palliativ-Versorgung unterliegt dabei einem hohen Anspruch und braucht ausreichend Zeit, Kompetenz und Personal. Sei es für individuelle Schmerzlinderung und Pflege, für eine zugewandte Sterbebegleitung oder ein Gespräch mit Angehörigen. Viele unserer Mitarbeitenden qualifizieren sich in Palliativpflege. Auch diese besonderen Leistungen müssen sich personell und finanziell niederschlagen. 

Jeder Sterbende hat einen rechtlichen Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativ-Versorgung (SAPV) in seinem gewohnten Umfeld, sei es zu Hause oder in einer Pflegeeinrichtung. Die Pflegekräfte haben dann die Möglichkeit, rund um die Uhr auf Palliativ-Mediziner und Hospizdienste zurückzugreifen, die sie bei Bedarf unterstützen, um die Versorgung mit Medikamenten, Hilfsmitteln und seelsorgerischer Hilfe sicherzustellen. Die entsprechenden Strukturen müssen allerdings gefördert und ausgeweitet werden. Pflegebedürftige, ihre Angehörigen, aber auch Hausärzte müssen besser über ihren Anspruch und dessen Umsetzung informiert werden. 

 

Hilfsmittel/Persönliches Budget

Viele pflegebedürftige Menschen müssen mittlerweile von ihrem begrenzten persönlichen Budget einen Großteil ausgeben, um zum Beispiel vom Arzt verordnete, das heißt notwendige, aber nicht verschreibungspflichtige Medikamente zu bezahlen. Es gibt Menschen, die entscheiden müssen, ob sie verdauungsfördernde Mittel bezahlen oder sich einen Kinobesuch leisten können. Gleichzeitig müssen andere oft monatelange Wartezeiten auf Hilfsmittel hinnehmen, ohne die sie nicht mobil sind. 

 

Köln, 07.12.2017

Doris Röhlich-Spitzer und Hans-Peter Nebelin, Geschäftsführung – Clarenbachwerk Köln gGmbH

Dr. Ursula Schmitz, Einrichtungsleitung – Matthias Claudius Heim

Sven Herzberg, Geschäftsführung – Diakonie gGmbH Köln und Region

Bernd Zeller, Einrichtungsleitung – Clara Elisen Stift

Irina Helmert und Ulrich Schmidt Geschäftsführung –

Gemeinnütziges Sozialwerk der Ev. Clarenbach-Kirchengemeinde

 

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