Karnevalssitzung im Haus Andreas

CBWK Karneval 2017 bDie Bürgergarde „blau-gold“ hat Ende Januar zur großen Karnevalssitzung im Haus Andreas eingeladen. Als die Plakate in den Häusern ausgehängt wurden, waren die Teilnehmer-Plätze schnell besetzt, da viele BewohnerInnen gerne an der Sitzung teilnehmen. Die meisten können auf Grund ihres gesundheitlichen Zustands nicht mehr an offiziellen Sitzungen und Veranstaltungen in den Veedeln teilnehmen und freuen sich daher ganz besonders, dass das Clarenbachwerk ihnen ermöglicht, hier auf dem Gelände eine offizielle Sitzung zu besuchen, die von einem großen Traditions-Karnevalsverein ausgerichtet wird. Das ist nicht nur für die BewohnerInnen toll, sondern auch für uns als Clarenbachwerk selbst. Natürlich wird in den Häusern an den Karnevalstagen groß gefeiert, aber die Anwesenheit eines Karnevalsvereins hat einfach einen ganz anderen Charakter und vor allem hat eine Garde auch Kontakte zu den ganz großen Künstlern und somit bekommen wir ein Programm geboten, dass wir selber gar nicht auf die Beine stellen könnten. Allein die Bürgergarde selbst stemmt schon circa die Hälfte des Programms durch ihre eigenen Tanzgruppen und das Musikkorps.

 

Nach der Ansprache des Präsidenten Markus Wallpott, in der er natürlich ein dreifach Kölle Alaaf ausrufen ließ und den Neunerrat vorstellte (ja, Sie haben richtig gelesen, auf Grund des Platzangebotes auf der Bühne schrumpfte der Elferrat etwas zusammen), enterten die Tanzmäuse zu Liedern wie „Pirate“ die Bühne. Manch einem wurde schon vom Zugucken schwindelig, die kleinsten Mitglieder der Garde „blau-gold“ wirbelten flink über die Bühne und man konnte nur staunen, dass niemand stolperte. Jeder Schritt saß und somit gab es keine verknoteten Arme und Beine. Es machte großen Spaß zu sehen, wieviel Freude die Pänz am Karneval haben, und das ließ keinen Zweifel daran, dass der Nachwuchs gesichert ist und der Karneval noch eine lange Zukunft haben wird. Die Kinder werden dieses Jahr auch ganz offiziell vom Festkomitee geehrt, denn das Motto der diesjährigen Session lautet „Wenn mer uns Pänz sinn, sin mer vun de Söck“. Und das waren auch wir an unserem Sitzungsabend. Monika Rodenkirch als Leitung der Tanzmäuse beeindruckt uns immer wieder mit ihren abwechslungsreichen Choreographien. Als ehemalige Tanzmarie hat sie allerdings auch genügend Erfahrung. Als nach dem Auftritt Zugabe-Rufe aus dem Publikum ertönten, zeigte sich Markus Wallpott wenig begeistert und brachte nur ein trockenes „aha“ heraus. Als der Saal daraufhin anfing zu toben, kamen die Tanzmäuse noch einmal zurück und verabschiedeten sich unter tosendem Beifall.

 

CBWK Karneval 2017 aNeben mir hörte ich Geflüster. „Ich sehe den Bauern.“ Aufregung machte sich breit. Ein Besuch des Kölner Dreigestirns ist eine besondere Ehre. Doch als das Trifolium dann einmarschierte, hörte man von überall her „Wie niedlich!“ Na, ob das der Prinz, der Bauer und die Jungfrau wohl gerne zu hören bekommen? Beim genauen Hinsehen war schnell klar, weshalb das Dreigestirn als niedlich bezeichnet wurde. Es war das Kinderdreigestirn, das sich den Weg zur Bühne bahnte. Prinz Conrad I., Bauer Jonas und Jungfrau Clara Marie begrüßten die BewohnerInnen und schienen keinerlei Lampenfieber zu kennen. Wahrscheinlich waren sie in dieser Session schon auf so vielen Bühnen unterwegs, dass sie mittlerweile „alte Hasen“ sind. Dabei sind die drei gerade einmal neun bzw. zehn Jahre alt, engagieren sich jedoch schon aktiv in vielen Kölner Vereinen, darunter beispielsweise beim 1. FC Köln, den Lucky Kids und der Kindertanzgruppe Höppemötzjer. Sie stellten sich einzeln vor und sangen danach noch ihre Lieder und brachten so den Saal zum Kochen. Bevor die drei die Bühne verließen, rief Prinz Conrad I. noch laut „Jetzt wird gefeiert!“ Oh ja, das taten wir und das Kinderdreigestirn zog, begleitet von kräftigem Gesang und Applaus, aus dem Saal hinaus.

 

Als Marita Köllner danach hereinkam, richteten sich direkt alle Blicke zur Tür, denn, wie wir ja seit vielen Jahren wissen, begrüßt sie gefühlt jeden einzelnen Bewohner persönlich, bevor sie auf die Bühne geht. Dies kann dann schon mal zwei Liedlängen dauern, aber das macht nichts. Sie ist eben ein Star zum Anfassen und genau das schätzen wir alle so sehr an ihr. Doch als sie dann doch an der Bühne ankam, tauschte sie erstmal ihre „fussich“ Perücke gegen die Narrenkappe des Präsidenten Markus Wallpott. Mit dieser Kopfbedeckung sang sie alle ihr bekannten Hits und der gesamte Saal sang, tanzte, klatschte oder schunkelte. Unter Standing Ovations verließ sie nach ihrem Auftritt den Saal, denn es war „Hochsession“ und sie musste noch zu weiteren Auftritten. Schweren Herzens ließen wir sie also weiterziehen.

 

Dass unsere nächsten Gäste überhaupt Zeit hatten, uns zu besuchen, grenzte fast schon an ein kleines Wunder. Das Erwachsenen-Dreigestirn muss nämlich in der gesamten Session 404 Termine wahrnehmen. Von der Proklamation am 13. Januar bis zum Rosenmontag am 27. Februar werden Prinz Stefan I., Bauer Andreas und Jungfrau Stefanie auf 266 Sitzungen, Empfängen oder Bällen, 55 Benefizveranstaltungen, 22 Firmenevents und 61 Kneipen-, Restaurant- und Brauhausbesuchen unterwegs gewesen sein. Ein wahrer Auftritts-Marathon, aber die drei sahen sehr fit und frisch aus. Das lag vielleicht auch an ihrem großen Gefolge, allen voran Prinzenführer Rüdiger Schlott, die sich darum kümmern, dass das Dreigestirn gut durch die Session kommt. Gestellt wurde das Trifolium dieses Jahr von einer der ältesten Karnevalsgesellschaften Kölns, der Kölner Narren-Zunft 1880 e.V.

 

Stimmung machten Prinz, Bauer und Jungfrau mit einem eigentlich ruhigen Lied, einem Krätzchen darüber, wie man zum Dreigestirn wird. Lustig vorgetragen kam dieser Beitrag bei allen Anwesenden super an. Bevor sie dann zum nächsten Termin eilen mussten, verkündete der Prinz noch, dass als Geschenk 240 Flaschen Piccolo für uns bereit stehen. Na, das kann ja heiter werden!

 

Nach so viel musikalischem Programm durfte auch ein Büttenredner nicht fehlen. Markus Wallpott fragte in die Runde, wer sich denn noch an den Komiker Kurt Lauterbach erinnert? Fast alle Hände gingen nach oben. Der Präsident der Bürgergarde erklärte, dass der Komiker schon lange verstorben ist, er ihn aber zufällig auf der Schildergasse wiedergetroffen und mitgebracht hat. Gespannte Blicke im Saal, wer mag da wohl kommen? Es war „Der Schnapsgardist“, der genau wie Kurt Lauterbach beim Sprechen gestammelt hat. Zumindest, nachdem er verstanden hat, was er tun soll. Markus Wallpott forderte ihn auf, das Publikum mündlich zu begrüßen und schon sprang der Schnapsgardist von der Bühne, um die Damen im Saal zu bützen. Nachdem er das Missverständnis bemerkt hatte, wollte er mit seiner Rede beginnen. Doch wie das manchmal bei Liveauftritten so ist, versagte die Technik für einen kurzen Augenblick und wir rätselten schon, ob das eine „Pantomime-Rede“ ist, dann jedoch ging das Mikrofon an und er war klar und deutlich zu verstehen. Er erzählte humorvoll aus seiner Kindheit und was es damals zu essen gab. Passend dazu wurden zeitgleich kleine Snacks an die BewohnerInnen verteilt, die diese mit Appetit genossen haben. Schließlich dauerte die Sitzung nun schon gute zwei Stunden.

 

Musikalisch, aber mit leiseren Tönen kam JP Weber auf die Bühne. Er ist einer der zurzeit bekanntesten Musiker im Köln/Bonner-Raum und im Jazz und Swing zuhause. Im Karneval singt er gerne Krätzchen, zu denen er sich mit seiner Klampfe begleitet. So hat er auch bei unserer Karnevalssitzung die guten alten Schätzchen des Fastelovend zum Besten gegeben. Da diese natürlich bei jedem Jecken bekannt sind, stimmten schnell alle mit ein.

 

Zum Schluss kam noch das Highlight der Bürgergarde, auf das alle schon sehnsüchtig gewartet haben. Denn was wäre eine Sitzung ohne den Tanz des Mariechens? Nichts! So zog der Regimentsspielmannszug der Bürgergarde in den Saal ein und so mancher hielt sich die Ohren zu, da die großen Trommeln und Blasinstrumente in dem kleinen Raum laut schallten. Mittendrin das Tanzpaar Denise Willems und Marc Nelles. Zuerst wurde zu traditionellen kölschen Liedern geschunkelt und gesungen, dann endlich hatte das Tanzpaar seinen großen Moment. Mit gekonnten Griffen wirbelte Marc Nelles sein Mariechen durch die Luft und manchmal stockte uns der Atem, doch zum Glück landete Denise Willems immer wieder sicher auf dem Bühnenboden.

 

So ging unsere Sitzung vorüber, jedoch nicht, ohne dass vorher noch den fleißigen Organisatoren gedankt wurde: Frau Röhlich-Spitzer, Herr Nebelin, Frau Abdollahi, Frau Dizayee, Herr Shams und Herr Ladermann wurden mit den offiziellen Karnevalsorden der Bürgergarde „blau-gold“ geehrt. Frau Röhlich-Spitzer konnte Markus Wallpott dann auch noch für das fünfjährige Jubiläum hier bei uns danken und ihm ein Versprechen abnehmen: Die Bürgergarde blau-gold will auch die nächsten 45 Jahre noch zu uns kommen, um dann 50-jähriges Jubiläum mit uns allen zu feiern. Da kann man nur noch sagen: Da simmer dabei!

Verena Rolf, Soziale Betreuung