Der Fotograf Wilfried Stoye

 

Schon seit geraumer Zeit fotografiert Wilfried Stoye ehrenamtlich für das Clarenbachwerk Köln. Da ich von seinen Fotos sehr begeistert war und bin, dachte ich mir, ich besuche ihn mal und befrage ihn zu seinem Hobby. Wobei Hobby die falsche Bezeichnung ist, schließlich fotografiert Wilfried Stoye nicht nur, er bearbeitet die Fotos auch digital nach und schließlich sorgt er in seiner „Dunkelkammer“ für perfekte Abzüge seiner Fotografien.


Wilfried Stoye begann bereits in den 1950er-Jahren mit dem Fotografieren, schließlich ist ihm als Ingenieur die technische Seite des Fotografierens nicht fremd. In den 50er-Jahren war das Wissen über Optik, aber auch von chemischen Prozessen bei der Entwicklung und Vergrößerung der Bilder unabdingbar. Die berühmt-berüchtigten „Fix-Foto-Kameras“, die es auch absoluten Laien erlaubt, passable Bilder zu machen, waren noch nicht auf dem Markt. Blende, Verschlusszeit und Entfernung mussten manuell eingestellt werden, einen integrierten Belichtungsmesser gab es noch nicht. Führend auf dem Markt waren die deutschen Firmen, von denen heute nur mehr Leica und Zeiss überlebt haben.

 

Längst dominieren die Japaner den Markt, aber das war in den 1960er-Jahren noch nicht zu ahnen. Bekanntlich haben die deutschen Firmen sogar bereitwillig ihre Produktionsstätten für die aufstrebenden Japaner geöffnet, nicht ahnend, dass nur wenige Jahre später Marken wie Nikon, Canon, Olympus und andere aufgrund ihrer benutzerfreundlicheren Bedienung mit automatischer Belichtungssteuerung und vielen anderem mehr den deutschen Marken den Rang ablaufen würden.

 

Wie vermutlich üblich, begann Wilfried Stoye mit dem Fotografieren, um das Großwerden seiner Kinder zu dokumentieren. Schon bald aber kamen Fotos auf Reisen dazu und die Kamera wurde zu seinem ständigen Begleiter. Auch fertigte er Abzüge von seinen Fotos selbst an. Dazu musste man sich noch in eine „Dunkelkammer“ zurückziehen, dort wurde lichtempfindliches Papier mit dem Negativ belichtet und anschließend in mindestens zwei verschiedene Bäder zum Entwickeln und Fixieren getaucht. Schon ein nicht abgedichteter Türspalt genügte, um das Fotopapier unwiederbringlich zu ruinieren. Entsprechend aufwändig gestaltete sich das Entwickeln von Filmen und Vergrößern der Negative.

 

Noch heute heißt der Raum, der bei den neuen Verfahren gar nicht mehr abgedunkelt werden muss und in dem Herr Stoye seine Fotoutensilien aufbewahrt, Dunkelkammer. Dort steht jetzt ein superschneller Rechner, mit dem die inzwischen digitalen Fotos nachbearbeitet und natürlich auch archiviert werden und ein imposanter Fotodrucker, der Bilder in einer Breite von annährend einem Meter erlaubt.
Dass das Fotografieren ein sehr materialintensives Hobby ist, für das nicht nur eine Kamera mit diversen Objektiven benötigt wird, braucht nicht betont zu werden. Hinzu kommen eben auch die Geräte zur Nachbearbeitung und der extrem hochwertige Fotodrucker.

 

Bedenkt man des Weiteren, dass das digitale Zeitalter die Geräte rasant veralten lässt und so die Neuanschaffung von Fotoapparaten oftmals im Fünfjahrestakt nahe legt, dann benötigt gerade das Fotografieren nicht nur besagtes technisches Interesse, sondern auch finanzielle Mittel. Wilfried Stoye war als Diplom-Ingenieur tätig und hat bis 2010 seine eigene Firma für Ampeltechnik aufgebaut und geleitet.


Durchaus mit großem Respekt vor dem Ruhestand – „Was mache ich mit der vielen Zeit?“ – hat er die Firma vor einigen Jahren verkauft und siehe da, der Ruhestand ist keineswegs von Langeweile gekennzeichnet. Wenn er nicht gerade mit seiner Frau verreist oder die in Amerika und der Schweiz wohnhaften Kinder besucht, dann ruft irgendwer vom Clarenbachwerk an und hat einen Fotoauftrag. Ursprünglich stellte unsere Geschäftsführerin Doris Röhlich-Spitzer den Kontakt her. Inzwischen ist Herr Stoye mit dem Clarenbachwerk bestens vertraut und hat in allen Häusern Bilder gemacht.

 

Nicht nur die sehr gelungene fotografische Umsetzung unserer praktizierten Pflegetheorie „Aktivitäten des alltäglichen Lebens“, sondern die Fotos fast aller neuer Prospekte stammen von Wilfried Stoye. Und für dieses Kurzportrait hat der Fotograf jetzt auch sein riesiges Archiv ein wenig geöffnet und stellt uns das eine oder andere Foto zur Verfügung. So ist es mir möglich, hier einmal einen kleinen Querschnitt der Fotografien von Wilfried Stoye zu präsentieren.

 

Wenn man mit Herrn Stoye spricht, wird unweigerlich ein Teil auch der Technikgeschichte des 20. Jahrhunderts lebendig. Eine Vielzahl von Kameramodellen hat Wilfried Stoye besessen und hat so fast die gesamte Geschichte der ambitionierten Amateurfotografie miterlebt. Doch trotz der manchmal wehmütigen Erinnerung an die eine oder andere Kamera des vergangenen Jahrhunderts trauert Wilfried Stoye der analogen Fotografie nicht nach. Stattdessen ist er froh über die deutlich besseren Bilder, die die digitale Fotografie erlaubt. Auch sind natürlich die Möglichkeiten der Nachbearbeitung um ein vielfaches besser worden und schlussendlich ist auch das Archivieren und Aufbewahren der digitalen Daten einfacher und komfortabler geworden.

 

Eine gute Backupsicherung vorausgesetzt, benötigt der heutige Fotograf nicht mehr viel Platz und penibel sortierte Aufbewahrungsschatullen, sondern „nur“ noch eine möglichst fassungsstarke Festplatte. Womöglich, denke ich mir während des Gesprächs mit Herrn Stoye, ist die Verbindung von Technik, Elektronik und künstlerischer Gestaltung eine für Männer besonders anziehende Verbindung und macht das Fotografieren zu einem Hobby, dass immer noch stärker von Männern als von Frauen betrieben wird. Jedenfalls hat mir das Gespräch mit Wilfried Stoye Spaß gemacht und ich habe eine Menge über die Geschichte der Fotografie und die heutigen Möglichkeiten gelernt.


Wir freuen uns, dass Wilfried Stoye ehrenamtlich für das Clarenbachwerk tätig ist und hoffen, dass er weiterhin lebendige und schön komponierte Fotos aus dem Alltag der Einrichtungen macht. Ob auch Herr Stoye von seiner Tätigkeit hier profitiert, habe ich noch vergessen zu fragen. Frau Röhlich-Spitzer verriet mir, dass Herr Stoye dem eigenen Altwerden mit einigem Respekt begegnet (wer nicht?). Jetzt hat er sicherlich viele Einblicke in das hohe Alter, auch in das manchmal beschwerliche, gewinnen können und deshalb wollte ich ihn fragen, ob ihm diese Beobachtungen vielleicht auch ein wenig die Angst vor dem eigenen Alter genommen hat. Diese Frage werde ich bei nächster Gelegenheit nachholen, zunächst aber wünsche ich Ihnen viel Spaß mit den Fotografien auf diesen Seiten – die natürlich allesamt von Wilfried Stoye stammen.