Bau AZDAuf dem Ehrenamtsdankeschöntag erwähnte Klaus Wiesenthal, der mit seiner Frau schon viele Jahre im Altenzentrum Deckstein sehr aktiv ist, dass die Stimmung im Altenzentrum nach Ende der Aufstockungsarbeiten deutlich entspannter sei. Die Lärmbelästigung sei geringer, die Wassereinbrüche getrocknet und überhaupt haben sich die BewohnerInnen wie die Mitarbeitenden an das Leben mit und auf der Baustelle gewöhnt. Besonders hervorhebenswert sei, so Herr Wiesenthal, dass es rege Kommunikation zwischen den Arbeitern auf der Baustelle und den Bewohnern und Mitarbeitern gebe. Das sei unüblich und trage wesentlich zum guten Klima trotz all der unschönen Umstände bei.
Nach dem Gespräch entschied ich, beim obligatorischen Stimmungsbild aus Deckstein dieses Mal die Sicht der Baufirmen in den Vordergrund zu stellen. So traf ich mich zunächst mit Ingo Kowalski, dem Oberbauleiter der bauausführenden Firma Kamü. Der „bewohnt“ zusammen mit seinen Kollegen Bernd Gerken und Michael Leipertz zwei benachbarte, ehemalige Bewohnerzimmer. Von dort aus steuern die drei die Baustelle, koordinieren den Einsatz mit den ausführenden Firmen und halten enge Rücksprache mit den Verantwortlichen des Altenzentrums, vor allem mit Einrichtungsleiter Heinz Holbein.

Gerade die hervorragende Zusammenarbeit wird von Herrn Kowalski immer wieder herausgestellt. Das Bauen während des laufenden Betriebs, noch dazu mit einer annährend 100-prozentigen Belegung, sei etwas ganz Besonderes. So eng wie jetzt in Deckstein habe er es selbst noch nie erlebt, das sei, anders könne man das nicht nennen, die Bau KowalskiKönigsdisziplin. Alle, die selbst schon mal gebaut haben oder zumindest mal ein Badezimmer erneuert haben, wissen, dass Handwerker üblicherweise am liebsten ungestört und allein auf der Baustelle arbeiten wollen. Alle anderen, erst recht die Bewohner und Wohnungsbesitzer, stören da nur. Genau diese Trennung geht im laufenden Betrieb nicht. Deshalb ist die enge Abstimmung zu den Mitarbeitenden und Bewohnern des Hauses so wichtig. Hinweise auf Stolperfallen, auf notwendige Sicherungsmaßnahmen und auch auf Dinge, die mal schief laufen, nehmen die Bauleiter deshalb ernst und reagieren sofort. Da gibt es keine Abschätzigkeit den vermeintlichen Amateuren gegenüber, was Menschen mit den berühmten zwei linken Händen von Handwerkern oft erfahren. Und es gibt ein echtes Miteinander, schließlich lernt man sich kennen. Da gibt es die Bewohner, die man morgens abklatscht und begrüßt, die, mit denen man hin und wieder ins Gespräch kommt.
Herr Kowalski berichtet von der Begegnung mit einer älteren Dame, die damals bettlägerig war und über die Unbilden des Alters erzählte: „Ja, junger Mann, das steht auch Ihnen – wenn’s gut geht – noch bevor!“ Tatsächlich rege die Konfrontation mit den älteren Menschen viele auf der Baustelle Beschäftigte zum Nachdenken über das eigene Älterwerden und das Wohnen im Alter an.Bau HolbeinHerr Holbein gesellt sich zu uns, später auch noch Bernd Gerken, ebenfalls Bauleiter der Firma Kamü. Ja, es mache Spaß auf so einer Baustelle. Man merke, dass das Haus gut geführt sei und dass ein gutes Arbeitsklima herrsche. Dass man im Haus und auch in Köln, wo man schließlich von Montag bis Freitag wohne, gut aufgenommen worden sei, täte gut und Heinz Holbein gibt das Kompliment gerne zurück. Auch er lobt die Zusammenarbeit, ohne die diese Art des Bauens gar nicht funktionieren könnte. Das gute Miteinander hielte auch gelegentliche Auseinandersetzungen aus, schließlich habe man auch schon einige „Abenteuer“ wie die Wassereinbrüche aufgrund der heftigen und zur Unzeit niedergegangenen Unwetter gemeinsam durchgestanden. Herr Kowalski erläuterte noch, dass er selbst bei Kamü die gleiche Kontinuität und Kollegialität schätze, die offensichtlich auch das Altenzentrum Deckstein auszeichne. Er selbst sei seit Anfang der 1990er-Jahre bei Kamü beschäftigt – was für sich selbst spreche.
Anschließend streife ich noch etwas durch das Haus und treffe auf einige Handwerker, die ebenfalls nicht nur ihrer „eigentlichen“ Arbeit nachgehen, sondern die bestens ins Hausleben integriert scheinen. Für heute jedenfalls rücken die sichtbaren Baufortschritte für mich in den Hintergrund. Dass ein Um- und Neubau bei laufendem Betrieb möglich ist, dass hat sich mir vermittelt und ist ein gutes Omen für die weiteren Baumaßnahmen in Müngersdorf.